Hormone: Unsichtbare Lenker der Wechseljahre

Wie die Botenstoffe Ihr Wohlbefinden beeinflussen

Sie bestimmen Lust und Launen, regeln Pubertät und Schwangerschaft. Und schließlich geben die Hormone das Startsignal für die Wechseljahre. Höchste Zeit, mehr über die Wirkung der winzigen Botenstoffe zu erfahren.

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Die Wechseljahre: Beginn einer neuen Hormonphase

Es sind die Hormone! Wenn Sie in den Wechseljahren sind, haben Sie das sicher schon viele Male gedacht. Tatsächlich bringen die winzigen Botenstoffe Körper und Psyche im Klimakterium – also während der hormonellen Umstellung der Frau – ganz schön durcheinander. Doch was geschieht, wenn sich das fein aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der Hormone mit Beginn der Wechseljahre verändert?

Hormone sind Botenstoffe, die ein kompliziertes Kommunikationsnetz bilden, um wichtige Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. In den Wechseljahren sind vor allem die Hormone Östrogen und Progesteron von Bedeutung. Die weiblichen Geschlechtshormone werden in den Eierstöcken gebildet und steuern Monat für Monat die Regelblutung und Fortpflanzungsfähigkeit – im Schnitt 30 Jahre lang.
Ungefähr ab dem 40. Lebensjahr verändert sich die Tätigkeit der Eierstöcke. Es kommt immer seltener zum Eisprung. Ohne Eisprung entsteht jedoch kein Gelbkörper, der das Progesteron produziert. Im Verlauf der Wechseljahre nehmen weitere einflussreiche Hormone ab: die Östrogene.

Die wichtigsten Hormone der Wechseljahre

Östrogen ist das wichtigste weibliche Geschlechtshormon. Jede Frau kennt es. Aber hätten Sie gewusst, dass sich unter dem Oberbegriff rund 30 verschiedene Hormone gruppieren? Die bedeutendsten sind Estradiol, Estron und Estriol. Östrogene steuern die Fruchtbarkeit, sind verantwortlich für eine frauliche Figur und für sinnliches Empfinden. Östrogen gilt zwar als typisches Weiblichkeitshormon, doch auch Männer haben Östrogene im Blut – allerdings in einer deutlich geringeren Konzentration. Östrogenmangel führt zu klassischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Zudem sind häufig Schlafstörungen, Scheidentrockenheit und eine Abnahme der Knochendichte auf fehlende Östrogene zurückzuführen.

Ein weiteres Geschlechtshormon, das Progesteron, spielt vor allem in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Es ermöglicht die Einnistung einer befruchteten Eizelle und sichert die Entwicklung des Embryos. Doch damit nicht genug: Progesteron und einige seiner Stoffwechselprodukte dienen als Nachrichtenübermittler für das Gehirn und haben Einfluss auf die Psyche. Bei einem Progesteronmangel kann es zu Zyklusunregelmäßigkeiten, Wassereinlagerungen im Gewebe und zu Schlafstörungen kommen. Ein Progesteronmangel kann außerdem Einfluss auf den Gemütszustand haben: Ängste, Gereiztheit und depressive Verstimmungen können zur seelischen Belastung werden.

Sinken Östrogen und Progesteron in den Wechseljahren, steigen die Werte anderer Hormone an: Die Hirnanhangdrüse schüttet vermehrt follikelstimulierendes Hormon (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH) aus – ein Versuch des Organismus, die Eierstöcke wieder zur Hormonproduktion anzuregen. Sollte Ihr Arzt einen Anstieg des FSH-Spiegels und LH-Spiegels im Blut feststellen, ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass Sie sich in den Wechseljahren befinden.

Hormone in den Wechseljahren ersetzen?

Jede Frau erlebt die hormonelle Umstellung unterschiedlich – und nicht alle brauchen eine Behandlung mit Hormonen, um mit den Wechseljahren besser zurechtzukommen. Pflanzliche Arzneien wie Traubensilberkerze, Soja oder Mönchspfeffer können bei leichten Symptomen eine Alternative sein. Sie enthalten Substanzen mit östrogenähnlicher Wirkung. Ein Ersatz für die abnehmenden Hormone in den Wechseljahren sind sie jedoch nicht.

Bei stärkeren Beschwerden gilt eine individuell angepasste Hormonersatztherapie als die wirksamste und am besten erforschte Behandlungsmethode. Sie sollte so niedrig dosiert wie möglich und nur so lange wie nötig angewendet werden. Vor allem aber sollten Sie Nutzen und mögliche persönliche Gesundheitsrisiken gemeinsam mit Ihrem Arzt sorgfältig abwägen.

Die Gabe von Östrogenen steht im Mittelpunkt der Hormonersatztherapie. Frauen, die noch eine intakte Gebärmutter haben, benötigen zusätzlich Gestagene, beispielsweise in Form des natürlichen Progesterons. Diese schützen die Gebärmutterschleimhaut vor übermäßigem Wachstum.

Hormone für die Wechseljahre stehen heute in Form von Tabletten, Pflaster oder Gel zur Verfügung. Ziel ist es, möglichst individuell zu dosieren und Hormone gegebenenfalls nur dort anzuwenden, wo sie gebraucht werden. So lassen sich beispielsweise Beschwerden im Bereich der Scheide oder der Harnröhre mit lokal wirksamen Vaginalcremes oder -zäpfchen gezielt behandeln.

Gut zu wissen, dass es wirksame Therapien gibt. Doch auch eine ausgewogene kalziumreiche Ernährung, ausreichend Bewegung, bewusste Entspannung und der Verzicht auf Nikotin tragen zu Ihrem Wohlbefinden bei. Und nicht zuletzt ist es eine positive Einstellung, die darüber mitentscheidet, wie sehr die Macht der Hormone Ihr Leben in den Wechseljahren beeinflusst.